Lüdenscheid hat mehr Handelsfläche, als die Stadt tragen kann: 2,07 m² Verkaufsfläche je Einwohner, fast 40 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt, und seit 2013 sind 77 Einzelhandelsbetriebe verschwunden. Die Folge steht in jeder Straße:
In Alt- und Innenstadt sind Ladenlokale verwaist, manche seit Jahren.
Diese Karte macht das Ausmaß sichtbar, Haus für Haus, mit Foto und mit dem, was zuletzt drin war.
Von allein füllt sich das nicht mehr. Deshalb braucht die Innenstadt zweierlei: Frequenz, damit Kundschaft kommt, und eine Stadt, die die Dauerleerstände kauft, entwickelt, saniert und vermietet.
Wer mithelfen will, kann hier Leerstände melden, Ideen einbringen und mit anpacken.
–So viele leere Ladenlokale haben wir bisher in Alt- und Innenstadt fotografiert. Jedes steht mit Foto auf der Karte. Das Stern-Center mit seinen Flächen ist dabei nicht mitgezählt.
+ 40 %Verkaufsfläche je Einwohner über dem Bundesdurchschnitt: 2,07 m² in Lüdenscheid, rund 1,5 m² im Bund. Zu viel Fläche für zu wenig Kundschaft.
− 77Einzelhandelsbetriebe seit 2013 verloren, das sind 17 Prozent, bei nahezu unveränderter Fläche.
Gesammelt · Leerstand ist erfasst, Ideen werden gesammelt. Im Gespräch · Wir sprechen mit Eigentümer, Stadt oder SEG. Pate gefunden · Jemand packt es an: Betrieb, Gründerin oder Gruppe. Umgesetzt · Aus leer wurde mehr.
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deine Meldung Leerstände auf der Karte (0), Farbe = Stand Gebiet der Aktion: Alt- und Innenstadt, gestrichelt umrandet (Umriss ungefähr nach dem Einzelhandelskonzept 2023 der Stadt, Karte 7)Tipp auf einen Punkt für Fotos, Infos und Ideen. Zum Melden erst unten „Leerstand melden“ öffnen, dann das Haus auf der Karte antippen.
Leerstand meldenDu kennst ein leeres Ladenlokal? Hier öffnen, Foto hochladen oder das Haus auf der Karte antippen.
Haus für Haus
So sieht Leerstand in Lüdenscheid aus
Jedes Bild ist ein Haus auf der Karte. Tipp darauf, dann springt die Karte dorthin und zeigt, was zuletzt drin war und welche Ideen es schon gibt.
Bisher eingegangen
Die Ideen bisher
Die meisten Ideen gehören zu einem Haus auf der Karte, manche gelten für die ganze Innenstadt. Klick auf eine Idee, dann siehst du den ganzen Vorschlag, kannst Daumen hoch geben und mitreden.
Noch keine freigegebene Idee. Deine kann die erste sein: Tipp auf der Karte ein Haus an oder bring unten eine Idee für die ganze Innenstadt ein.
Idee ohne bestimmtes Haus einbringenDu hast eine Idee für die Innenstadt, aber noch kein Ladenlokal im Blick? Dann hier entlang. Wir suchen gemeinsam den passenden Ort.
Deine Idee zählt
Wir suchen Ideen für beides: auf Zeit und auf Dauer
Nicht jeder leere Laden muss wieder ein Laden werden. Tipp auf der Karte auf einen Leerstand und schreib deine Idee dazu.
Auf Zeit: Zwischennutzung
Damit das Haus schon jetzt lebt, während es auf eine neue Nutzung wartet.
Das Schaufenster als Ausstellungsraum für Kunst, Galerien, Schulen und Fotografie
Ein Werbefenster für Betriebe und Händler von außerhalb der Innenstadt
Ein Pop-up-Laden, mit dem Gründerinnen und Gründer ein paar Wochen ausprobieren
Raum für Aktionen, Workshops, Proben oder eine Ausstellung auf Zeit
Auf Dauer: neue Nutzung
Neue Gründe, in die Stadt zu kommen, auch jenseits vom Einkaufen.
Kultur: Atelier, Galerie, Bühne, Raum für Events
Soziales: Räume für Bürgergruppen, Vereine, Beratung und Begegnung
Bildung: Lernorte, Kurse, Raum für die Hochschule
Gastronomie, Handwerk, Dienstleistung und inhabergeführter Handel
Die Stadt kauft, saniert mit Fördergeld und vermietet fair.
Bei 40 Prozent mehr Handelsfläche als im Bundesdurchschnitt wird nicht jeder Laden wieder ein Laden. Häuser, die seit Jahren niemand anfasst, bekommt man nicht mit Appellen voll.
Andere Städte zeigen den Weg: Die Stadt beschließt einen Sanierungsplan für die Innenstadt, kauft die Dauerleerstände, baut sie mit Fördermitteln um, holt Wohnen und Arbeiten in die oberen Etagen und entscheidet selbst, wer unten einzieht.
Das ist ein Weg, nicht der einzige: Zwischennutzung gemeinsam mit den Eigentümern, „Dein Laden“ mit Mietnachlass, Pop-ups, Kooperationen von Betrieben, Vereinen und Initiativen gehören genauso dazu. Für Häuser, die seit Jahren niemand anfasst, ist der Kauf durch die Stadt der stärkste Hebel, weil er Fördermittel möglich macht.
Mit dieser Karte zeigen wir, um welche Häuser es geht. Und wir wollen die richtige Reihenfolge: erst den Leerstand füllen, dann über neue Flächen sprechen. Das Einzelhandelskonzept, das der Rat im Dezember 2023 beschlossen hat, ist dafür die Leitlinie.
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Kaufen
Die Stadt oder ihre Entwicklungsgesellschaft kauft die Häuser, die seit Jahren leer stehen, und gewinnt damit die Hand über die Innenstadt zurück. Hanau, Monheim, Tuttlingen, Steinheim, Coburg und Gelsenkirchen haben genau das getan, mit ganz normalen Ladenhäusern.
Für den Umbau gibt es die Städtebauförderung von Bund und Land. Das Programm „Lebendige Zentren“ fördert ausdrücklich die Anpassung an den Strukturwandel bei Leerstand in zentralen Versorgungsbereichen und die Sanierung erhaltenswerter Gebäude.
Oben Wohnungen oder Büros, unten inhabergeführter Handel, Pop-ups, Gastronomie. Als Eigentümerin entscheidet die Stadt über die Nutzung und kann Startmieten anbieten, mit denen Gründerinnen und Gründer loslegen können. Schon heute gibt es dafür in Lüdenscheid „Dein Laden“ mit bis zu 80 Prozent Mietnachlass.
Wohnungen und Büros finden in Lüdenscheid sofort Abnehmer.
Oben Wohnen, unten Laden: Dafür gibt es in Lüdenscheid belegte Nachfrage. Die Zahlen stammen von der Stadt selbst, aus dem Zensus, von der Kammer und aus den Lüdenscheider Nachrichten.
Mieten steigen, Suchende werden mehr
Die Angebotsmiete für Bestandswohnungen lag Ende 2024 bei 7,16 Euro je Quadratmeter, fast 30 Prozent mehr als 2015. Die Zahl der Wohnungssuchenden im geförderten Wohnungsbau ist von 179 im Jahr 2020 auf 325 im Jahr 2023 gestiegen. Bis 2035 fällt fast die Hälfte der 2.400 geförderten Mietwohnungen aus der Bindung.
An der Bromberger Straße waren 31 Wohnungen nach zwei Tagen der offenen Tür weitgehend vermietet. An der Wiesenstraße waren 37 Wohnungen bei der Übergabe zu drei Vierteln vergeben, an der Kampstraße alle 21 geförderten Wohnungen. Im Märkischen Kreis fehlen laut Pestel-Institut rund 7.800 Wohnungen.
Wer ein leeres Ladenlokal dauerhaft zu Mietwohnungen umbaut, bekommt von der Stadt 25 Prozent der Umbaukosten als Zuschuss, für Vereinsräume 45 Prozent, Beratung inklusive. Drei Viertel der Unternehmen in der Region halten attraktiven Wohnraum für wichtig, 22 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden.
Ein städtisches Gutachten ermittelte 2018 einen Mehrbedarf von 2.900 Quadratmetern Bürofläche. Seitdem mietet die Stadt an der Altenaer Straße, im Sauerlandcenter und am Rathausplatz. 2026 hat der Rat beschlossen, am Sternplatz ein neues Bürohaus mit 3.900 Quadratmetern für rund 200 Arbeitsplätze zu kaufen. Dieser Bedarf ist da. Er passt genauso in die oberen Etagen bestehender Häuser, die heute leer stehen.
Beim Zensus 2022 standen in Lüdenscheid 1.875 Wohnungen leer, 912 davon innerhalb von drei Monaten bezugsfertig. Die Stadt nennt die Nutzung dieser Wohnungen ein wichtiges Handlungsfeld und sieht die Leerstände vor allem in Innenstadt, Staberg und Knapp. Genau dort stehen die Häuser auf dieser Karte.
Was das Einzelhandelskonzept der Stadt selbst sagt
Der Rat hat im Dezember 2023 die zweite Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts beschlossen, erarbeitet vom Büro Junker + Kruse auf Basis einer Erhebung von 2021. Es ist die Leitlinie für alle Ansiedlungsentscheidungen. Das steht darin:
Der Befund
78 leere Ladenlokale im Stadtgebiet mit rund 12.000 m², das sind 17 Prozent der Ladenlokale und 7 Prozent der Verkaufsfläche (S. 60).
In der Innenstadt standen 36 Ladenlokale leer, 16 Prozent der Betriebe, darunter das Forum am Sternplatz, das frühere Sinn-Haus und Adler an der Schillerstraße (S. 61).
Das Konzept erwartet „eine weitere Verschärfung der Leerstandssituation“ durch Energiekrise, Inflation und die Sperrung der A 45 (S. 62).
Kaum Kundschaft von außerhalb (Zentralität 1,02): Die Lüdenscheider haben zusammen ein bestimmtes Budget fürs Einkaufen. Die Geschäfte in der Stadt nehmen fast genau diesen Betrag ein, nur 2 Prozent mehr. Es kommen also kaum Menschen aus dem Umland zum Einkaufen nach Lüdenscheid (S. 53). Das Budget je Einwohner liegt bei 98,7 Prozent des Bundesschnitts (S. 46).
Einzugsgebiet: In der Kundenbefragung 2022 kamen 68 Prozent der Kundschaft aus Lüdenscheid, 26 Prozent aus den Nachbarorten Altena, Halver, Herscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Plettenberg, Schalksmühle und Werdohl, 4 Prozent von weiter weg (S. 47).
2,07 m² Verkaufsfläche je Einwohner gegenüber rund 1,5 m² im Bund. Das Konzept nennt das für eine Stadt dieser Größe „normal“, zugleich sind seit 2013 77 Betriebe (17 Prozent) verschwunden, die Fläche ist geblieben (S. 50, 122).
Die Einwohnerzahl sinkt laut Prognose bis 2040 auf rund 70.000, minus 4,5 Prozent (S. 41).
Schlussfolgerung des Gutachtens: Nur „in wenigen Warengruppen“ gibt es noch tragfähige Verkaufsflächenpotenziale in relevanter Größe; zusätzliche Angebote führen „in erster Linie zu Umverteilungen im Bestand und Verdrängungswettbewerb“ (S. 127, 148).
Was das Konzept empfiehlt
Ein gezieltes Leerstandsmanagement mit laufender Beobachtung der Leerstände, ausdrücklich auch mit Blick auf andere Nutzungen als Handel: Kunst, Kultur, Bildung, Gastronomie, Dienstleistung (S. 62, 123, 146).
Beseitigung der Leerstände in der Altstadt durch Transformation zu Dienstleistung, Kultur und Gastronomie (S. 146).
Stärkung von Forum und Altstadt, wo die Zahl der Leerstände „Handlungsbedarf“ zeigt (S. 122).
Veranstaltungen und Aktionen, die Passantenfrequenz in die Innenstadt bringen (S. 146).
Unsere Bewertung
Die Zahlen sind von 2021. Seitdem haben unter anderem Strodel & Jäger, Hussel, frieda’s und der Reidemeister geschlossen. Unsere Karte ist der aktuelle Stand, den das Konzept selbst einfordert.
Das Konzept begründet die hohe Fläche mit der Versorgungsfunktion als Mittelzentrum. Diese Funktion trägt die Fläche aus unserer Sicht nicht mehr: Unterm Strich fließt genauso viel Kaufkraft ab wie zu, und die Nachbarstädte haben längst eigene Angebote aufgebaut. Wer in Halver, Olpe oder Plettenberg wohnt, muss für den Wocheneinkauf und vieles mehr nicht mehr nach Lüdenscheid.
Das Konzept sagt es selbst: Neue Fläche bringt keine neue Kaufkraft, sondern verschiebt Handel von einer Adresse zur anderen. Deshalb die Reihenfolge erst Leerstand füllen, dann über neue Flächen reden.
Die empfohlene Transformation zu Kultur, Gastronomie, Bildung und Dienstleistung ist genau das, was unsere Ideen-Seiten sammeln. Und sie gelingt am verlässlichsten, wenn die Stadt die Häuser selbst in der Hand hat.
Das Konzept zeigt: Lüdenscheid zieht keine Kaufkraft von außen an, und die eigene fließt zum Teil ab, online und in die Oberzentren. Der schnellste Hebel dagegen ist der Lüdenschein, der Stadtgutschein: Er ist nur bei Lüdenscheider Geschäften, Gastronomen und Dienstleistern einlösbar, jeder Euro landet also in der Stadt.
Arbeitgeber können ihn bis zu 50 Euro im Monat steuer- und abgabenfrei zum Gehalt geben, als Weihnachtsgeschenk, Prämie oder monatlich. WIR für Lüdenscheid ist Kooperationspartner, die Einnahmen des Vereins daraus fließen in Projekte für die Innenstadt.
Wir können Häuser umbauen und schön machen. Ob dann ein Laden, ein Café, ein Atelier, eine Werkstatt oder ein Treffpunkt einzieht: Am Ende entscheidet, ob Menschen kommen, ob Kaufkraft da ist und ob die Fläche bezahlbar ist. An allen vier Antworten arbeiten wir schon.
Frequenz in der Innenstadt
Menschen kommen, wenn etwas los ist. Deshalb bringen wir Aktionen in die Stadt: die Stadtjagd, Lüdenscheid erleben mit den Bildschirmen in den Geschäften, das Freizeit- und Tourismuszentrum als Anlaufstelle mitten in der Stadt, Netzwerkabende und Einzelhandelsfrühstücke. Die Ideen kommen aus der Stadt selbst: aus unserer Ideenwerkstatt und der Befragung „Was braucht deine Stadt?“.
Kaufkraft bleibt in Lüdenscheid
Mit dem Lüdenschein können Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden bis zu 50 Euro im Monat steuer- und abgabenfrei als Gutschein zum Gehalt geben. Dieses Geld ist nur in Lüdenscheid einlösbar, bei über 90 Geschäften, Gastronomen und Dienstleistern. Je mehr Betriebe mitmachen, desto mehr Umsatz bleibt in der Stadt, und genau dort entsteht neuer Einzelhandel.
Bezahlbare Flächen
Wenn die Stadt Eigentümerin der Häuser ist, kann sie Mieten verlangen, mit denen ein Start möglich ist, statt auf Renditen fremder Eigentümer zu warten. Schon heute hilft das Programm „Dein Laden“ mit bis zu 80 Prozent Mietnachlass in den ersten zwei Jahren.
Erreichbarkeit und Parken
Wer in der Innenstadt einkauft, muss ankommen können. Wir wollen keine Reduzierung der Parkflächen, sondern ihre Instandhaltung und Erweiterung, dazu sichere Stellplätze und gute Wege zu Fuß und mit dem Rad, so wie es sich die Menschen in unserer Befragung gewünscht haben. Genauso wichtig ist ein starker, attraktiver Nahverkehr, der mehr Menschen in die Stadt bringt, und ein Shuttle, das die langen Wege und steilen Straßen in der Innenstadt überbrückt, gerade für ältere Menschen.
Städte, die es schon machen
Kaufen und entwickeln: Das haben andere Städte getan
Es geht nicht um Kaufhäuser, sondern um die Häuser, die wir auf dieser Karte sammeln: einzelne Ladenlokale, Wohn- und Geschäftshäuser, Traditionsgeschäfte ohne Nachfolger.
Die folgenden Städte haben solche Häuser selbst gekauft, umgebaut und wieder mit Leben gefüllt, statt auf Investoren zu warten.
Alle Angaben stammen aus den verlinkten Berichten.
Hanau · rund 100.000 Einwohner
Die Stadt kauft die kleinen Läden selbst
2022 übernahm die städtische BauProjekt GmbH das Haus des Spielwarengeschäfts Brachmann (300 m², über 175 Jahre alt), weil kein Nachfolger zu finden war; die Hanau Marketing GmbH führt den Laden weiter. Im selben Jahr zog die städtische Baugesellschaft ihr Vorkaufsrecht für das teils leerstehende Haus der ehemaligen Metzgerei Kober am Altstädter Markt, 2024 zog dort ein Geschäft für italienische Spezialitäten ein. 2023 kaufte die BauProjekt GmbH zwei Wohn- und Geschäftshäuser in der Fußgängerzone (Hammerstraße 2 und 3, 3,8 Millionen Euro), deren Obergeschosse leer standen: unten bleibt Handel, oben kommen Volkshochschule und Wohnungen für Studierende hinein. In der Hammerstraße 3 eröffnete im September 2023 ein Fachgeschäft für Haushaltswaren.
Aus dem Altstadtlokal wird ein Haus für Kunst und Gastronomie
2018 kaufte die städtische Stadtentwicklungsgesellschaft das Gründerzeithaus Turmstraße 20 in der Altstadt und baute es um. Seit September 2021 ist im Erdgeschoss ein Restaurant, seit Oktober 2021 in den beiden oberen Etagen die städtische Kunstwerkstatt; im Januar 2022 wurde das Haus offiziell eröffnet. Im August 2020 kaufte die Gesellschaft auch das Haus Turmstraße 28, einen früheren Pub, und suchte über einen Betreiberwettbewerb die neue Nutzung fürs Erdgeschoss: einen Laden mit Bistro.
Die Stadttochter kauft das Traditionscafé: unten Café, oben Studentenwohnungen
Nachdem das Café Ribler in der Stadtkirchstraße 2016 nach 60 Jahren schloss, kaufte die Tuttlinger Wohnbau das Haus, an der die Stadt zu zwei Dritteln beteiligt ist. Sie baute Haus und Gastronomie um: oben entstanden Studentenwohnungen, unten ein neues Café, das im September 2018 eröffnete, betrieben von einer früheren Mitarbeiterin des alten Cafés.
Vorkaufsrecht am Marktplatz: aus leeren Häusern wird ein Quartier
Zwischen November 2019 und März 2020 hat die Stadt über ihr Vorkaufsrecht mehrere benachbarte leerstehende Gebäude am Marktplatz übernommen, mit Städtebaufördermitteln entkernt und an eine Projektgesellschaft aus Steinheimer Bürgerinnen und Bürgern übergeben, die die Häuser saniert hat. Im Juli 2026 eröffnete dort das „Quartier am Kump“ mit Tagespflege, Kita und 21 Wohnungen. Kosten: 12,7 Millionen Euro, davon rund 5,9 Millionen Euro Förderung des Landes NRW.
Jahrelang leer, von der Stadt saniert: unten Praxis, oben Wohnungen
Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus Ketschengasse 42 in der Altstadt stand viele Jahre leer. Die Stadt hatte es gekauft, ihre Wohnbau Stadt Coburg GmbH sanierte es von 2017 bis 2020 mit Städtebauförderung. Heute ist im Erdgeschoss eine Arztpraxis, darüber gibt es fünf 3-Zimmer-Wohnungen mit zusammen rund 400 m².
Von der Schrottimmobilie zum Haus mit Café und Stadtteilbüro
Die städtische Stadterneuerungsgesellschaft kauft an der Bochumer Straße alte Häuser auf, saniert sie und gibt ihnen neue Nutzungen. Das leerstehende, denkmalgeschützte Haus Reichstein sanierte sie von 2018 bis 2022 für etwa zwei Millionen Euro, 1,5 Millionen davon förderte das Land NRW. Seit August 2022 ist im Erdgeschoss, der früheren Kneipe, ein Café, darüber das Stadtteilbüro.
Hildesheim hat seine leeren Läden nicht einfach leer gelassen. Das Innenstadtmanagement der Stadt vermittelt seit 2021 leere Ladengeschäfte in der Fußgängerzone in Kooperation mit den Eigentümerinnen und Eigentümern
zu sehr günstigen Konditionen auf Zeit: an Gründerinnen und Gründer, Pop-up-Stores, Outlets, ein Kulturcafé, Hochschulprojekte, Ausstellungen, sogar als Probenraum für Theatergruppen.
Einen markanten Leerstand in der Almsstraße hat die Stadt schon 2019 mit Plakaten eines Schülerwettbewerbs und 2020 mit einer Kunstausstellung im Schaufenster bespielt, nachdem der Eigentümer zugestimmt hatte.
So sieht die Straße auch während des Leerstands gepflegt aus, Gründer probieren ein Konzept ein paar Wochen aus, und Eigentümer lernen mögliche Mieter kennen.
So geht es weiter, wenn ein Leerstand gemeldet ist
Leere Häuser ziehen eine ganze Straße herunter. Gleichzeitig gibt es in Lüdenscheid Menschen mit Ideen: Betriebe, die wachsen wollen, Vereine und Initiativen, die Raum brauchen, Gründerinnen und Gründer, die einen Ort suchen, Menschen, die mitten in der Stadt wohnen wollen.
Diese Karte bringt beides zusammen und zeigt offen, was aus jeder Meldung wird, egal ob Laden, Wohnung, Büro, Werkstatt oder Treffpunkt. Jeder Punkt auf der Karte durchläuft vier Stufen:
GesammeltDer Leerstand steht mit Foto auf der Karte, Ideen kommen dazu, die besten bekommen Daumen hoch.
Im GesprächWir sprechen mit Eigentümer, Stadt und SEG über Miete, Zustand und Möglichkeiten.
Pate gefundenEin Betrieb, eine Gründerin oder eine Gruppe packt es an, wir helfen beim Rest.
UmgesetztAus leer wird mehr. Und der Punkt auf der Karte wird grün.
Wer die Stadt nach vorne bringen will, kann sich uns anschließen.
Die Leerstand-Karte ist eines von vielen Projekten des Vereins. Aus unserer Befragung „Was braucht deine Stadt?“ haben wir neue Projekte abgeleitet, zum Beispiel die Mitmach-Karte „Wo fehlt eine Bank?“ für mehr Sitzplätze und Mülleimer in der Innenstadt, und diese Seite.
Wir suchen Menschen, die sich für ein Thema interessieren und mitarbeiten wollen, egal ob Handel, Kultur, Aufenthaltsqualität oder Leerstand.